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Durham – Ein erhöhtes Blutvolumen verdünnt bei adipösen Menschen das prostataspezifischen Antigens (PSA) so stark, dass nach einer Studie im Amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2007; 298: 2275-2280) das PSA-Screening viele Prostatakarzinome übersieht.
Dass adipöse Menschen trotz Prostatakarzinom relativ niedrige PSA-Konzentrationen haben, war bereits in früheren Studien aufgefallen. Die Ursache war jedoch nicht klar. Einige Forscher vermuteten sie in der niedrigeren Testosteronproduktion von Adipösen. Andere postulierten einen Verdünnungseffekt auf Grund des größeren Blutvolumens. Diese zweite Hypothese wurde jetzt von Stephen Freedland von der Duke Universität in Durham/North Carolina und Mitabeitern bestätigt.
Die Forscher analysierten die Daten von 14.000 Patienten, die sich einer radikalen Prostatektomie unterzogen. Bei diesen Patienten war nach einer PSA-Untersuchung die Tumordiagnose mittels Biopsie gestellt worden. Der durchschnittliche PSA-Wert sollte deshalb unabhängig vom Body-Mass-Index (BMI) sein. Tatsächlich hatten Patienten mit höherem BMI jedoch niedrigere PSA-Werte. Erst nachdem Freedland die PSA-Werte um das bei Adipösen vermehrte Blutvolumen korrigiert hatte, hatten alle Patienten in etwa die gleichen PSA-Werte.
Auch die errechnete „PSA-Masse“ im Gesamtblut war gleich. Nach den Angaben von Freedland kann eine Adipositas die PSA-Konzentration im Blut um 11 bis 21 Prozent senken. Im Prinzip müssten ähnliche Abweichungen auch bei anderen Tumormarkern bestehen, solange sie, wie das PSA, kontinuierlich aus dem Organ freigesetzt werden und nicht einer Regulierung durch den Körper unterliegen. © rme/aerzteblatt.de
| Ärzte Zeitung, 27.08.2007 |
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LONDON (dpa). Die Überlebenschancen von Krebspatienten sind seit Anfang der 90er Jahre in Europa deutlich gestiegen. Im Vergleich zu den USA schneidet Europa dennoch relativ schlecht ab: Dort überleben zwei Drittel aller Männer eine Krebserkrankung fünf Jahre, in Europa nur 47 Prozent.
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| Die Überlebensraten fünf Jahre nach der Krebsdiagnose haben sich in Europa in der zweiten Hälfte der 90er Jahre im Vergleich zu ersten Hälfte verbessert. |
Den größten Unterschied zwischen Europa und den USA gibt es beim Prostata-Krebs. Die Fünf-Jahres- Überlebensrate in den USA beträgt 99 Prozent, in Europa liegt sie dagegen derzeit nur bei 78 Prozent (Lancet Oncology online).
Auch bei krebskranken Frauen sind die Unterschiede deutlich, wenn auch geringer: Hier betragen die Raten 56 Prozent (Europa) und 63 Prozent (USA). Für die Studie hatten Epidemiologen aus Rom Daten aus 47 Krebsregistern in 18 europäischen Ländern ausgewertet und mit einem US-Register verglichen. Die Unterschiede zwischen Europa und den USA führten deutsche Forscher früher schon auf eine bessere Beteiligung an Früherkennungsmaßnahmen zurück.
Ein innereuropäischer Vergleich anhand der Daten von 2,7 Millionen Krebskranken von Anfang und Ende der 90er Jahre ergab: Bei acht bedeutenden Krebsarten sind die Überlebensraten besser geworden. So überlebten 54 Prozent der Darmkrebs-Patienten aus der zweiten Hälfte der 90er Jahre (1995 bis 1999) mindestens fünf Jahre. Ein halbes Jahrzehnt zuvor waren es nur 49 Prozent. Auch bei Frauen mit Brustkrebs besserte sich die Überlebensrate (80 versus 75 Prozent). Besonders deutlich stieg sie beim Prostata-Ca: von 61 Prozent auf 74 Prozent. Für die Jahre 2000 bis 2002 wurde sogar eine Überlebensrate von 77,5 Prozent bestimmt.
Das Positive für Krebskranke in Deutschland: Die Fünf-Jahres-Überlebensraten von 50 Prozent bei Männern und 59 Prozent bei Frauen liegen über dem europäischen Mittel. Das gilt für die meisten wichtigen Tumoren, wie Kolorektal- (57,5 zu 53,5 Prozent), Lungen- (13 zu 10 Prozent) und Prostata-Ca (79 zu 74
MIESBACH (wst). In Deutschland gibt es immer mehr Prostatazentren, aber die Bezeichnung ist bislang mit keinerlei Qualitätsstandards verbunden.
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Ein Chirurg nimmt mit Hilfe eines Endoskops eine Prostata-Operation vor. Für Prostatazentren werden jetzt einheitliche Qualitätskriterien gefordert. Foto: imago |
"Wenn wir diesem Wildwuchs nicht Einhalt gebieten, wird uns früher oder später die Politik Maßstäbe setzen, die womöglich die Kompetenz der niedergelassenen Urologen auch zum Nachteil der Patienten erheblich beschneiden wird," meint Dr. Richard Berges von der PAN-Klinik Köln, der auch zweiter Vorsitzender des Dachverbandes der Prostatazentren Deutschlands (DVPZ) ist. Berges wirbt dafür, deutschlandweit nach einheitlichen Qualitätskriterien Prostatazentren einzurichten, denen sich auch möglichst viele niedergelassene Urologen anschließen sollten.
Qualitätsstandards für die Zentren und die sich daran beteiligenden Urologen wurden vom DVPZ bereits erarbeitet, so Berges auf einer vom Unternehmen Sandoz unterstützten Fortbildungsveranstaltung des Arbeitskreises urologischer Fachärzte Südostbayerns in Miesbach. Demnach sollte sich ein Prostatazentrum aus mindestens fünf Praxen niedergelassener Urologen und mindestens einer urologischen Klinik zusammensetzen.
Die beständige Zusammenarbeit mit Pathologen, Strahlentherapeuten und Onkologen muss gesichert sein. Die Zentren müssen gut und möglichst breit für sämtliche Standardtherapieverfahren bei Erkrankungen der Prostata, vor allem für das Prostatakarzinom, das benigne Prostatasyndrom und die Prostatitis gerüstet sein. Die Zentren sollen eng mit Selbsthilfegruppen zusammenarbeiten und sie haben sich an wissenschaftlichen Projekten zu beteiligen.
Voraussetzung für Urologen, einem DVPZ-legitimierten Zentrum anzugehören, ist die Einführung eines gemeinsamen Qualitätsmanagement-Systems (z.B. ISO 9001, KTQ, QEB) in Klinik oder Praxis, die erfolgreiche Teilnahme an den vier Zertifizierungsworkshops des DVPZ sowie die Bereitschaft zur regelmäßigen Fortbildung mit jährlich mindestens 15 CME-Punkten zu den drei Kernthemen Prostatakarzinom, benignes Prostatasyndrom und Prostatitis.
Nähere Informationen sind abrufbar im Internet unter www.dvpz.de.
| Ärzte Zeitung, 01.09.2006 |
Mit der modernen Bestrahlung werden Patienten mit Prostatakrebs heute ähnlich gut behandelt wie durch Prostatektomie. Die Strahlentherapeuten Dr. Ulrich Köppen aus Stuttgart und Professor Kent Wallner aus Seattle geben mit ihrem Buch "Prostatakarzinom - Alternativen zur radikalen Operation" Ärzten und Patienten einen umfassenden Ratgeber über aktuelle Therapien in die Hand.
Das Werk ist im Schattauer-Verlag in der zweiten Auflage erschienen. Die beiden Autoren sehen den Band als Aufklärungs- und Informationsbuch.
Es beinhaltet Abschnitte zur Diagnostik und zu chirurgischen, strahlentherapeutischen und alternativen Verfahren sowie zur Hormonbehandlung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Darstellung der Brachytherapie, also einem Verfahren, bei denen eine Strahlenquelle direkt am Tumorgewebe plaziert wird.
Ein eigenes Kapitel befaßt sich mit Impotenz und Inkontinenz, den Therapiefolgen, die für die Patienten am gravierendsten sind. Hinweise auf wichtige Internetseiten, Selbsthilfegruppen und ein Literaturverzeichnis finden sich im Anhang.
Das Werk über den zweithäufigsten Tumor bei Männern ist abwechslungsreich geschrieben und enthält auch wichtige Anregungen für Hausärzte.(skh)
Ulrich Köppen, Kent Wallner: Prostatakarzinom - Alternativen zur radikalen Operation. Schattauer-Verlag, 2. Auflage 2004. 129 Seiten, kartoniert, 19,95 Euro, ISBN 3-7945-2294-X.
| Ärzte Zeitung, 06.11.2006 |
HAMBURG (mut/KHS). Männer mit hormonrefraktärem Prostatakarzinom profitieren von eine Kombitherapie mit Docetaxel und Calcitriol. Möglicherweise genügt es sogar, wenn sie damit intermittierend behandelt werden.
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| Ultraschall-Bild eines Prostata-Karzinoms im rechten Prostata-Lappen. Foto: Hofmann/von Knobloch |
Eine Kombination von Docetaxel (Taxotere®) und hochdosiertem Calcitriol ist einer Docetaxel-Monotherapie deutlich überlegen. Darauf deuten Zwischenergebnisse der ASCENT-Studie, die beim Urologenkongreß in Hamburg vorgestellt worden sind. ASCENT steht für Androgen-independent Prostate Cancer Study of Calcitriol Enhancing Taxotere.
An der Phase-II-Studie nahmen 250 Männer mit fortgeschrittenem, Hormon-unabhängigem Prostata-Ca teil. Die Patienten erhielten entweder hochdosiertes Calcitriol (45 µg täglich) oder Placebo zusätzlich zur Docetaxel-Therapie. Primärer Endpunkt war der Anteil von Patienten, bei denen sich der PSA-Wert um mindestens 50 Prozent reduzierte. Dieser Anteil betrug mit der Kombitherapie 63 Prozent, mit der Docetaxel-Monotherapie 52 Prozent. Der Unterschied war nicht signifikant.
Einen signifikanten Unterschied gab es dagegen bei der medianen Lebenszeit: Sie lag mit Docetaxel alleine bei 16,4 Monaten, mit der Kombitherapie bei geschätzten 23,5 Monaten - der tatsächliche Wert wurde noch nicht erreicht (ECCO Abstract Nr. 118, 2006).
Außerdem war Docetaxel in Kombination mit Calcitriol verträglicher gewesen als Docetaxel plus Placebo. Thrombembolische Komplikationen und gastrointestinale Störungen sind deutlich seltener beobachtet worden, sagte Professor Peter Albers vom Klinikum Kassel.
In der ASCENT-Studie seien etwa 20 Prozent der Patienten intermittierend mit Docetaxel plus Calcitriol behandelt worden. Dabei kam es ebenfalls bei über der Hälfte zu einer PSA-Senkung von mindestens 50 Prozent. Es gebe zudem Hinweise, daß die intermittierende Behandlung ähnlich wirksam ist wie die kontinuierliche Therapie, so Albers auf einem Symposium von Sanofi-Aventis. Auch hätten die Patienten aufgrund der geringeren Therapiebelastung eine höhere Lebensqualität, und dies fördere wiederum die Compliance.
Ärzte Zeitung, 28.06.2006
DRESDEN (grue). Ein kompletter Androgenentzug ist bei Männern mit weit fortgeschrittenem Prostatakarzinom wirksamer als die alleinige medikamentöse Kastration. Denn damit werden auch die von der Nebenniere produzierten Geschlechtshormone blockiert.
Durch eine medikamentöse Kastration sinkt der Testosteronspiegel im Vergleich zum Ausgangswert nur um 90 Prozent. Die restlichen Androgene werden von den Nebennieren gebildet und können das Wachstum von besonders hormonempfindlichen Prostata-Ca-Zellen fördern.
Um das zu verhindern, sollten Patienten mit metastasiertem Prostatakrebs
zusätzlich ein Antiandrogen erhalten, sagte Professor Thomas Ebert
von der Euromed Clinic Fürth auf einer Veranstaltung des Unternehmens
Astra Zeneca in Dresden. Eine sofortige Kombitherapie mit dem nichtsteroidalen
Antiandrogen Bicalutamid (Casodex®) senke die Krankheits-bedingte
Sterberate bei Prostatakrebs um 20 Prozent im Vergleich zu einer Monotherapie
mit einem Testosteron-senkenden Medikament.
Maximale Androgenblockade wird bei Fernmetastasen empfohlen.
Für steroidale Antiandrogene sei ein solcher Vorteil nicht belegt, sagte Ebert. Einfach und besonders verträglich ist nach Angaben des Urologen die kombinierte Behandlung mit dem GnRH-(Gonadotropine-Releasing Hormon) Analogon Goserelin (Zoladex®) und Bicalutamid.
Die Kombination aus medikamentöser Kastration und zusätzlichem Androgenentzug - als maximale Androgenblockade bezeichnet - sollte bei Patienten mit Fernmetastasen frühzeitig angeboten werden, also schon bevor Schmerzen auftreten. "Dann erreichen wir damit eine signifikante Lebensverlängerung", sagte Ebert.
Das Antiandrogen Bicalutamid wird derzeit auch als adjuvante oder alleinige Therapie bei Männern mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom im EPC-Programm (Early Prostate Cancer) geprüft. Mit Bicalutamid wird das Progressions-Risiko über eine Beobachtungszeit von jetzt mehr als sieben Jahren signifikant im Vergleich zu Placebo gesenkt, sagte Ebert.
Nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie ist für Patienten mit kleinerem, wenig aggressivem und lokalem Prostata-Karzinom ohne Befall der Lymphknoten eine Prostatektomie ohne adjuvante Therapie vorgesehen.
| Ärzte Zeitung, 08.06.2006 |
NEU-ISENBURG (ner). Wenn es gegen Krebsgeschwüre geht, verlassen sich Onkologen heute nicht auf Stahl, Strahl und Chemotherapie allein. Sie wollen auch alle körpereigenen Abwehrkräfte nutzen. Nichts anderes steckt hinter Versuchen, mit therapeutischen Impfungen eine Abwehrantwort gegen den Tumor zu provozieren. Einige Vakzinetherapien beim Prostatakarzinom etwa befinden sich in der dritten Phase der klinischen Prüfung.
Das Prostatakarzinom ist vor allem deswegen ein geeignetes Ziel für die Vakzinetherapie, weil dafür bereits mehrere Antigene bekannt sind, an denen man therapeutisch ansetzen kann. Am bekanntesten sind das Prostata-spezifische Antigen (PSA), das Prostata-spezifische Membranantigen (PSMA) und die prostatische saure Phosphatase (PAP). Allerdings handele es sich streng genommen nicht um tumorspezifische Antigene, so Dr. Christian Doehn vom Uniklinikum Lübeck und seine Kollegen (Akt Urol 36, 2005, 407). Denn sie werden nicht ausschließlich von malignen Zellen exprimiert. So wird nur von tumorassoziierten Antigenen gesprochen.
Erprobt werden Vakzinetherapien derzeit bei Patienten, die bereits eine primär kurative Therapie (Operation oder Bestrahlung) hinter sich haben und bei denen ein Rezidiv aufgetreten ist sowie bei hormonrefraktären Prostatakarzinomen. Dabei werden mehrere Ansätze geprüft:
Derzeit wird etwa die Vakzine GVAX® von Cell Genesys klinisch getestet. Sie wird aus allogenen Tumorzellen gewonnen und in zwei Phase-3-Studien allein oder in Kombination mit Docetaxel geprüft. In vorangegangenen Studien war eine dosisabhängige Antikörperbildung sowie bei einigen Patienten ein PSA-Abfall um mehr als 50 Prozent beobachtet worden. Mit der Vakzine Onyvax-P vom britischen Unternehmen Onyvax, einer Kombination aus drei allogenen Prostata-Ca-Zellinien, kam es in einer Pilotstudie mit 26 Männern mit hormonrefraktärem Prostata-Ca bei knapp der Hälfte innerhalb eines Jahres zu einer Tumorregression.
Der technische Aufwand zur Isolierung der Zellen aus dem peripheren Blut sei jedoch erheblich und müsse für jeden Patienten individuell erfolgen, betont der Urologe. Inzwischen ist ein solches Verfahren kurz vor der Zulassung. So wurde Sipuleucel-T (Provenge®) von dem Biotechnik-Unternehmen Dendreon in einer Phase-3-Studie bei 127 Patienten geprüft, die ein metastatisches, Androgen-unabhängiges Prostatakarzinom hatten. Die Dreijahres-Überlebensrate lag damit bei 33 Prozent, mit Placebo waren es nur elf Prozent. Bei dem Verfahren werden dendritische Zellen mit prostatisch saurer Phosphatase beladen. Das Verfahren steht kurz vor der Zulassung, es soll sowohl bei frühem als auch bei fortgeschrittenem Prostatakrebs angewendet werden.
Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Auf
dem richtigen Weg
STICHWORTTumorvakzineEine Impfung gegen Tumoren funktioniert im Prinzip ähnlich wie eine Impfung gegen Krankheitserreger: Der Impfstoff enthält Antigene, die das Immunsystem so stimulieren, daß die Immunzellen alle diejenigen Zellen attackieren, die solche Antigene tragen - in diesem Fall eben Tumorzellen. Damit das Immunsystem Krebszellen als Eindringlinge erkennt, müssen die Antigene Tumor-Proteine sein, die fast nur auf den jeweiligen Krebszellen vorkommen. Entsprechende Antigene zu finden und so aufzubereiten, daß sie immunologisch aktiv sind, ist dabei mit das Hauptproblem. Die bisherigen Daten belegen, daß eine Vakzine-Therapie bei Prostatakarzinom-Patienten technisch machbar ist, die bisherigen klinischen Ergebnisse sind allerdings nur zum Teil erfolgreich. |
| Ärzte Zeitung, 16.05.2006 |
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PARIS (grue). Der 5-Alpha-Reduktasehemmer Finasterid senkt das Risiko für Prostata-Karzinome. Sollte das Medikament deshalb präventiv verordnet werden? Bei Männern mit stark vergrößerter Prostata, einer familiären Krebshäufigkeit oder hohen PSA-Werten ist eine Langzeittherapie jedenfalls eine Option.
Wie Professor Michael Marberger aus Wien berichtete, kann Finasterid (Proscar®) nachweislich das Krebsrisiko senken: In der prospektiven PCPT-Studie mit 19 000 gesunden Männern kam es innerhalb von sieben Jahren mit Finasterid deutlich seltener zu einem Prostata-Ca als mit Placebo (18 versus 24 Prozent).
| "Für und Wider muß abgewogen werden." | |
Außerdem gab es mit Finasterid weniger Prostatabeschwerden als mit Placebo. Jedoch ist nicht bewiesen, daß die medikamentöse Prävention die krebsbedingte Mortalität senkt. Abwägen müsse man auch mögliche sexuelle Funktionsstörungen unter einer Finasterid-Langzeittherapie, so Marberger auf einer Veranstaltung von MSD in Paris. "Für und Wider einer Chemoprävention müssen deshalb sorgfältig abgewogen werden."
Nach Einschätzung des Urologen eignet sich die Chemoprävention besonders für Männer, die Beschwerden wegen einer stark vergrößerten Prostata haben und die dann auch symptomatisch von der Behandlung profitieren. Für diese Indikation sind 5-Alpha-Reduktasehemmer auch zugelassen. "Eine Finasterid-Langzeittherapie kommt auch für Männer in Frage, die eine familiäre Belastung für Prostata-Ca haben, oder für Patienten, die trotz unauffälligem Biopsie-Befund anhaltend hohe PSA-Werte haben", sagte Marberger.
Für die USA stelle sich der Nutzen so dar: Das auf die Lebenszeit bezogene Prostata-Ca-Risiko von etwa 17 Prozent kann durch Chemoprävention mit Finasterid auf 13 Prozent gesenkt werden. Das heißt, von hundert Männern über 55 Jahren erkranken vier weniger an Krebs. Ob und wie sehr sich die Chemoprävention auszahlt, werde derzeit geprüft.
| Ärzte Zeitung, 26.04.2006 |
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PARIS (grue). Der 5-Alpha-Reduktasehemmer Finasterid senkt das Risiko für Prostata-Karzinome und erhöht die Treffsicherheit von Biopsien zur Aufdeckung höhergradiger Tumore der Prostata. Das hat eine neue Auswertung einer Krebspräventionsstudie mit Finasterid gezeigt.
Die PCPT-(Prostate Cancer Prevention Trial)-Studie hatte vor gut zwei Jahren für Aufsehen gesorgt, weil sie zunächst widersprüchliche Ergebnisse geliefert hatte (wir berichteten).
An der PCPT-Studie hatten fast 19 000 gesunde Männer teilgenommen, die für sieben Jahre mit Finasterid 5 mg täglich oder Placebo behandelt wurden. Mit Finasterid (Proscar®) war das Krebsrisiko signifikant um 25 Prozent geringer (18 versus 24 Prozent).
Der Anteil aggressiver Tumore allerdings war um 25 Prozent höher (6,4 versus 5,1 Prozent). Dabei handele es sich um ein methodisches Problem, sagte Professor Scott Lippman aus Houston in den USA bei einer Veranstaltung des Unternehmens MSD in Paris.
Denn unter Finasterid sei das Prostatavolumen im Mittel um 27 Prozent zurückgegangen. Dadurch habe sich die Zahl positiver Biopsiebefunde erhöht. "Die Beurteilung der Malignität mit Hilfe einer festgelegten Zahl von Stanzbiopsien führt dazu, daß in einer kleinen Prostata mehr bösartige Zellen gefunden werden, die zu einer höhergradigen Einstufung im Gleason-Wert führen", so Lippman.
Tatsächlich sei die Treffsicherheit von Biopsien in der Verum-Gruppe besser gewesen: Höhergradige Tumore wurden damit zu 70 Prozent entdeckt, in der Placebo-Gruppe nur zu 50 Prozent.
Es gebe keinen Hinweis darauf, daß Finasterid die Tumordifferenzierung ungünstig beeinflußt. "Denn im zeitlichen Verlauf der Studie ist die Krebsinzidenz in der Verum-Gruppe nicht gestiegen", sagte Lippman auf der Veranstaltung.
Noch ein weiterer Umstand habe zur Verzerrung der Studienergebnisse beigetragen: Mit Finasterid funktioniert der PSA-Test zur Abschätzung des Karzinomrisikos besser. Das Medikament halbiert den PSA-Wert gesunder Männer, verhindert aber nicht einen durch Krebszellen ausgelösten PSA-Anstieg. Es werden in diesem Fall schneller die PSA-Grenzwerte erreicht.
Verringertes Krebsrisiko, zuverlässige Biopsien und sensitive PSA-Messungen - das seien wichtige Beiträge von Finasterid zur Prävention und Früherkennung von Prostatakrebs, sagte der Urologe.
| Ärzte Zeitung, 25.01.2006 |
Mit einem neuen Ultraschall-Verfahren, der Ultraschall-Elastographie, könnten sowohl die Früherkennung von Prostatakrebs als auch die Behandlung betroffener Patienten verbessert werden. Dabei werden die unterschiedlichen Dehnungseigenschaften von gesundem und krankem Gewebe ausgenutzt.
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| Ultraschall der Prostata (links). Erst in der Elastographie (rechts) ist ein Tumor erkennbar: Das dunkle Areal (Pfeil) hat eine geringere Elastizität. Foto: LP-IT |
Von Thomas Meißner
Prostata-Tumoren sind mechanisch härter als die gesunde Prostata, was bei der transrektalen digitalen Untersuchung ausgenutzt wird. Aber selbst die Kombination dieser klinischen Untersuchung mit der Auswertung der PSA-Werte und der transrektalen Sonographie ermöglicht keine sichere Tumordiagnose, zumal sich die Echogenität von Prostata-Tumoren nicht immer von der des umliegenden Gewebes unterscheidet.
Mit der Elastographie könne man die Trefferquote im Vergleich zur bisherigen Tumordiagnostik um bis zu 30 Prozent erhöhen. Das berichtet Theodor Senge, emeritierter Urologie-Professor und ehemaliger Chefarzt am Marienhospital in Herne. "Das ist für mich ein entscheidender Fortschritt in der Prostatakarzinom-Diagnostik, so Senge zur "Ärzte Zeitung".
Ärzte üben während der transrektalen Sonographie mit dem Schallkopf einen leichten Druck auf die Prostata aus. Aufgrund der unterschiedlichen Gewebe-Elastizität von Karzinom (hart) und normalen Drüsengewebe (weich) entstehen minimale Zeitverschiebungen der Echosignale. Diese werden mit Hilfe einer speziellen Software auf dem Monitor in Echtzeit farbig dargestellt. Neben dem Elastogramm sieht man zugleich das übliche Sonographie-Bild.
Ob es sich bei den verdächtigen Arealen tatsächlich um einen Tumor handelt, muß nach wie vor mit einer Biopsie geklärt werden. Denn auch Entzündungen oder hyperplastische Knoten verursachen Veränderungen der Gewebe-Elastizität. Eine Biopsie sei Elastographie-gestützt jedoch mit einer viel höheren Genauigkeit möglich als bisher, sagt Senge. Die Methode verbessere die Trefferquote bei einer Biopsie, und die Rate falsch-negativer Histologien sei niedriger.
Bedeutung könnte das Verfahren zudem für die Behandlung von Männern mit lokal begrenztem Prostatakarzinom haben, die für eine Brachytherapie in Frage kommen: Derzeit werden die radioaktiven Seeds zur Bestrahlung diffus in der Drüse verteilt. Dagegen wäre es mit der Elastographie möglich, die Seeds gezielt in den Tumorherden zu plazieren.
Damit würde eine erhöhte Strahlenintensität im Tumor erzielt und zugleich gesundes Gewebe geschont. Das berichtet der Urologe, der ein von LT-IP entwickeltes Elastographie-Verfahren in Studien am Marienhospital in Herne geprüft hat.
Eine der Studien erfolgte mit 260 Patienten mit positivem Prostatabiopsie-Befund. Vor der Operation wurden diese Patienten sowohl mit einer konventionellen Sonographie als auch mit der Ultraschall-Elastographie untersucht. Der Vergleich dieser Befunde mit der postoperativen Histologie ergab eine Karzinom-Trefferquote von 34 Prozent für die konventionelle Sonographie, aber von 76 Prozent mit der Elastographie.
In einer zweiten Studie bekamen 404 Männer mit Verdacht auf Prostatakarzinom nach Ultraschall und Elastographie eine Sextanten-Biopsie. Bei 151 Patienten bestätigte sich der Tumorverdacht. Bei 84 Prozent der 151 Männer stimmte der Befund mit der Elastographie-Diagnose überein.
Falsch-negative Elastographie-Befunde gab es bei 16 Prozent. Die Trefferquote der digitalen Untersuchung lag bei 48 Prozent, die der konventionellen Sonographie bei 32 Prozent. Die Kombination von digitaler Untersuchung plus Ultraschall ergab eine Trefferquote von 64 Prozent (J Urol 174, 2005, 115).
Um zu klären, ob die Detektionsrate von Prostatakrebs mit Elastographie erhöht werden kann, läuft derzeit eine prospektive, randomisierte Studie an der Ruhr-Uni in Bochum.
FAZITDie Ultraschall-Elastographie könnte zur verbesserten Früherkennung bei Prostatakarzinom beitragen. Nach Angaben von Professor Theodor Senge ist die Methode auch für andere Tumoren geeignet, die gut für das Ultraschall-Signal zugänglich sind, etwa Brustkrebs. |
| Ärzte Zeitung, 29.11.2005 |
BONN. Der Patient, die Selbsthilfeorganisation als Partner der Ärzte - nur eine Fiktion, oder realistisches Ziel? Darüber haben Vertreter der Patienten, der Ärzteschaft und der Krankenkassen beim ersten "Tag der Krebs-Selbsthilfe" kürzlich in Bonn diskutiert.
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| Betont die partnerschaftliche Beziehung von Ärzten und Patienten: Dr. Astrid Bühren, Präsidentin des Ärztinnenbundes. Foto: sbra | Wirbt für die Akzeptanz der Krebs-Selbsthilfe vor allem bei Ärzten: Professor Dagmar Schipanski, Präsidentin der Deutschen Krebshilfe. Foto: dpa |
Von Eva Richter
"Mit dieser Veranstaltung wollen wir die Akzeptanz für die Krebs-Selbsthilfe vor allem in der Ärzteschaft erhöhen und ihren Stellenwert im Gesundheitswesen weiterentwickeln und sichern", so Professor Dagmar Schipanski, Präsidentin der Deutschen Krebshilfe und Schirmherrin der Veranstaltung.
Bei den Vertretern der Ärzteschaft und Kassen auf dem Podium war die Akzeptanz der Selbsthilfe gegeben: "Im Lauf eines Arztlebens kommt man oft an Grenzen, die man allein gar nicht bewältigen kann. Dann braucht man die Kompetenz der Selbsthilfe", meinte Dr. Roland Quast, stellvertretender Vorsitzender des Hartmannbundes und seit 20 Jahren niedergelassener Allgemeinmediziner.
Der Hartmannbund habe eine Resolution verabschiedet, die eine engere Kooperation mit der Selbsthilfe vorsieht. Künftig sollen Patientenvertreter zu Veranstaltungen des Hartmannbundes eingeladen werden.
Auch Dr. Astrid Bühren, Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, vertrat die Ansicht, daß "es nur partnerschaftlich geht" und verwies auf erste Ansätze in der neuen Medizinerausbildung, die dem Rechnung tragen würden. Der Ärztinnenbund sei in diesem Bereich aktiv und habe eine Selbsthilfegruppe für Ärztinnen mit Brustkrebs initiiert.
Mehr Patientenorientierung sei auch im Gemeinsamen Bundesausschuß spürbar, meinte Dr. Rainer Hess, Vorsitzender des Gremiums. Seit knapp zwei Jahren sitzen Patientenvertreter im GBA, "das Klima ist seitdem ein ganz anderes geworden" - auch wenn sie nicht stimmberechtigt sind. "Ohne Selbsthilfe wäre die Medizin ärmer", erklärte Wilfried Jacobs, Vorstandvorsitzender der AOK Rheinland. Bei der Kasse würden keine Projekte aufgelegt, ohne die Selbsthilfe zu beteiligen.
Doch die Realität sieht offenbar noch anders aus: "Ich habe von meinem Arzt erfahren, daß ich Krebs habe und er hat mich zehn Minuten lang nicht ein einziges Mal angesehen" - diesen Satz hört Helga Kühn-Mengel (SPD), die frühere Patientenbeauftragte der rot-grünen Bundesregierung, oft. "Eine der Schwachstellen in unserem Gesundheitssystem ist die mangelhafte Kommunikation", sagt sie.
Dabei hat eine Untersuchung des Bundesgesundheitsministeriums zur Mitwirkung von Patienten ergeben, daß Compliance und Therapieergebnisse besser sind, wenn die Patienten in die Behandlung stärker miteinbezogen werden", so Kühn-Mengel.
Die Selbsthilfe könne dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Die Existenz der Selbsthilfegruppen sei vielen jedoch nicht bekannt, beklagte Barbara Braun, Vize-Vorsitzende der Deutschen Hirntumorhilfe. "Hier gibt es noch ein großes Informationsdefizit. Wir müssen daher Ärzte und Selbsthilfe vor Ort besser vernetzen."
Wie könnte dies umgesetzt werden? Astrid Bühren regte an, zu den Treffen der regionalen Qualitätszirkel regelmäßig Vertreter von Selbsthilfegruppen einzuladen. Jacobs schlug vor, die Klinik solle beispielsweise Krebs-Patienten auch in der Nachsorge begleiten und nach der Entlassung als Ansprechpartner dienen.
Professor Gerhard Englert, Vorsitzender der Deutschen ILCO (Selbsthilfevereinigung für Stomaträger und Darmkrebs-Kranke), nahm die Selbsthilfe in die Pflicht: "Auch dort müssen Infodefizite abgebaut sowie Ziel und Finanzierung der jeweiligen Organisation transparent dargelegt werden."
Doch auch bei den Krankenkassen sahen Patientenvertreter Handlungsbedarf. So ist das Engagement der Kassen bei der Förderung von Selbsthilfegruppen unterschiedlich.
Das Fördervolumen für Selbsthilfegruppen wurde im vergangenen Jahr nur zu 70 Prozent ausgeschöpft: Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums wurde die Selbsthilfe mit insgesamt 26,41 Millionen Euro (2003: 24,22 Euro) gefördert, was 0,38 Euro (Vorjahr: 0,34 Euro) pro Versichertem entspricht. Im Gesetz sind 0,54 Cent pro Versichertem vorgesehen, dies würde rund 38 Millionen Euro entsprechen.
"Es gibt häufig Probleme mit den Kassen", kritisierte Englert, "die sind an den Erfahrungen der Selbsthilfegruppen oft nicht interessiert". Wenn es um die Genehmigung von Therapien und Arzneimitteln gehe, zeigten sich Kassen oft restriktiv und verwiesen auf die entsprechenden Richtlinien. Schipanski nahm dies zum Anlaß, mehr therapeutischen Freiraum zu fordern: "Die Richtlinien sind oft viel zu eng gefaßt und lassen keinerlei Spielraum."
Deutschen Krebshilfe, 11. August 2005
Ursache
für aggressiven Prostatakrebs entdeckt
Ergebnisse eines
von der Deutschen Krebshilfe geförderten Projektes in renommierter
Zeitschrift „Nature“ publiziert
Freiburg/Bonn (nh) – Es gibt schnell und langsam wachsende Prostatatumoren. Wissenschaftler der Universitätskliniken Freiburg und Bonn haben jetzt eine wesentliche Ursache für aggressiv-wachsenden Prostatakrebs entdeckt: Der Eiweißstoff LSD1 kurbelt die Zellteilung an und führt dadurch zu einem schnellen Tumorwachstum. Das Ziel der Forscher ist es jetzt, dieses Enzym durch Medikamente zu hemmen und so das Wachstum der Krebszellen zu bremsen. Diese bedeutenden Ergebnisse werden in der Zeitschrift <a href="#nature">Nature</a>* veröffentlicht und sind bereits jetzt über <a href="http://www.nature.com/index.html" target="_blank">www.nature.com</a> abrufbar. Die Deutsche Krebshilfe unterstützte das Forschungsprojekt mit 363.000 Euro.
Alle Körperzellen verfügen über eine innere Uhr, die den Zellzyklus steuert: Teilung, Wachstum, Alterung und Sterben einer Zelle wird über ein fein austariertes Gleichgewicht geregelt. Daran sind Gene beteiligt, die für die Zellteilung verantwortlich sind. „Normalerweise sind diese Zellteilungs-Gene im Zellkern so verpackt, dass ihre Information zur Teilung nicht ständig abgelesen werden kann – die Gene sind quasi ruhig gestellt“, erklärt Professor Dr. Reinhard Büttner, Projektleiter am Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Bonn. „Ohne diesen Schutzmechanismus - eine Art Bremse - würden sich die Zellen unkontrolliert vermehren.“
In dem von der Deutschen Krebshilfe geförderten Forschungsprojekt hat Büttner jetzt zusammen mit der Freiburger Arbeitsgruppe um Professor Roland Schüle, Universitäts-Frauenklinik und Zentrum für Klinische Forschung, Klinikum der Universität Freiburg, herausgefunden, dass das Enzym LSD1 die Zellteilungs-Gene in genetisch veränderten Zellen aktiviert: „LSD1 verringert die Packungsdichte dieser Gene, so dass die genetische Information zur Zellteilung viel häufiger abgelesen werden kann als normal. Unter dem Einfluss von LSD1 vermehren sich die Zellen daher erheblich schneller“, erklärt Professor Büttner. Eine Tatsache, die auch die Aggressivität bestimmter Prostatatumoren zu erklären scheint: „Unsere Untersuchungen zeigen: Je mehr LSD1, desto aggressiver die Krebszellen“, so Büttner.
LSD1 hat damit eine ähnliche Wirkung wie das Hormon Testosteron, das ebenfalls die Zellteilung in der Prostata aktiviert. „Unter seinem Einfluss können aus entarteten Zellen Tumoren entstehen“, so der Bonner Projektleiter. „Daher versucht man bei Prostatakrebs die Produktion des Testosteron durch eine Anti-Hormontherapie zu hemmen.“ Die Beeinflussung der Zellteilung durch das LSD1 könnte jetzt erklären, warum manche Tumoren trotz dieser Hemmung weiter wachsen: „Das Enzym LSD1 kann die Zellteilungs-Gene so weit entpacken, dass die Zellen gar kein Testosteron mehr benötigen, um sich zu teilen“, erläutert Professor Büttner. Das Ziel der Forscher ist es, das Enzym LSD1 auszuschalten und so die Zellteilung zu bremsen. In Zellkulturen ist ihnen das bereits gelungen. Langfristig hoffen sie auf Medikamente, die sich auch beim Menschen einsetzen lassen.
Aber nicht nur im Hinblick auf die Entwicklung neuer Therapie-Möglichkeiten, auch für die Diagnose ist die Entdeckung des LSD1 relevant: „Die Menge des LSD1 in Tumorzellen der Prostata ist ein sehr guter Hinweis darauf, wie aggressiv die Krebszellen sind“, meint Professor Büttner. „Diese Tatsache wollen wir künftig für diagnostische Zwecke nutzen.“ Auf diese Weise könnten die Ärzte von vornherein besser beurteilen, welche Therapie bei welchen Patienten am besten geeignet ist und eine Aussage über die Heilungschancen machen.
Interviewpartner auf Anfrage!
Infokasten: Prostatakrebs
Jährlich erkranken in Deutschland etwa
40.600 Männer neu an Prostatakrebs. Damit ist dies die häufigste
Krebserkrankung beim Mann. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 71
Jahren. Die wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten sind Operation,
Bestrahlung und medikamentöse Therapie. Die Deutsche Krebshilfe gibt eine
Broschüre für Patienten und Angehörige zu diesem Thema heraus. Der blaue
Ratgeber „Prostatakrebs“ kann kostenlos bestellt werden bei der Deutschen
Krebshilfe, Postfach 1467, 53004 Bonn, Fax 02 28/ 7 29 90-11 oder im
Internet unter www.krebshilfe.de heruntergeladen werden.
Projekt-Nummer: 10-2019
* Nature advance online publication; published online 3 August 2005
| doi: 10.1038/nature04020
LSD1 demethylates repressive histone marks
to promote androgen-receptor-dependent transcription
Eric Metzger1,
Melanie Wissmann1,5, Na Yin1,5, Judith M. Müller1, Robert Schneider2,
Antoine H. F. M. Peters3, Thomas Günther1, Reinhard Buettner4 and Roland
Schüle1
1Universitäts-Frauenklinik und Zentrum für Klinische Forschung, Klinikum der Universität Freiburg, Breisacherstrasse 66, 79106 Freiburg, Germany. 2Max-Planck-Institut für Immunbiologie, Stübeweg 51, 79108 Freiburg, Germany. 3Friedrich Miescher Institute for Biomedical Research, Novartis Research Foundation, Maulbeerstrasse 66, 4058 Basel, Switzerland. 4Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Bonn, Sigmund-Freud-Strasse 25, 53127 Bonn, Germany
Bonn, 11. August 2005
| Ärzte Zeitung, 26.07.2005 |
SAN ANTONIO (grue). Für eine medikamentöse Prävention von Prostata-Karzinomen gibt es derzeit zwei aussichtsreiche Kandidaten: Der 5-Alpha-Reduktasehemmer Finasterid und eine Therapie mit Vitamin E und Selen. Daten dazu wurden jetzt beim US-Urologen-Kongreß in San Antonio vorgestellt.
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| Laparoskopische Operation bei Prostatakrebs an der Klinik für Urologie der Uni Leipzig. Eine Prävention könnte einigen Männern den Eingriff ersparen. Foto: dpa |
Die beiden recht unterschiedlichen Ansätze hat Professor Ian Thompson aus San Antonio bei einer Veranstaltung von GlaxoSmithKline vorgestellt. Der von Thompson geleitete Prostate Cancer Prevention Trial (PCPT) mit Finasterid ist bereits abgeschlossen (wir berichteten).
Die Daten wurden erst beim europäischen, dann auch beim amerikanischen Urologen-Kongreß diskutiert: An der Studie nahmen knapp 19 000 Männer im Alter über 55 Jahre ohne auffällige Prostata teil, die für sieben Jahre mit Placebo oder 5 mg Finasterid behandelt wurden. Innerhalb dieser Zeit entwickelten 18 Prozent der mit Finasterid behandelten Männer ein Prostatakarzinom, aus der Placebo-Gruppe waren es 24 Prozent.
Das bedeutet eine signifikante relative Risikoreduktion von 25 Prozent zugunsten von Finasterid. Allerdings war der Anteil höhergradiger Karzinome in der Finasterid-Gruppe höher. Thompson ist dennoch von der krebspräventiven Wirkung des Mittels überzeugt, denn die Studie hat seiner Meinung nach methodische Mängel: "Höhergradige Tumore wurden nur deshalb unter Finasterid öfter entdeckt, weil sich bei diesen Männern das Prostatavolumen als Folge der Therapie verkleinerte und damit die Diagnosewahrscheinlichkeit stieg."
Thompson konnte dies anhand mathematischer Überlegungen belegen. Er verwies zudem auf eine weitere Studie zur Chemoprävention des Prostata-Karzinoms mit dem 5-Alpha-Reduktasehemmer Dutasterid. Ergebnisse dazu gibt es noch nicht.
Ähnliches gilt für SELECT (Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial). Die Studie startete im Juli 2001 mit der Aufnahme von 32 400 Männern. Die Randomisierung wurde im April 2004 und damit mehr als zwei Jahre vor dem geplanten Termin abgeschlossen. "Deshalb rechnen wir mit ersten Ergebnissen bereits im kommenden Jahr", sagte Thompson.
In der vierarmigen Studie erhalten die Teilnehmer entweder täglich 200 µg Selen, 400 mg Vitamin E, beide Substanzen kombiniert oder nur Placebo. Studienendpunkt ist die Inzidenz von Prostatakarzinomen bei eine Behandlungsdauer von bis zu zwölf Jahren.
Wie Thompson berichtete, wirken die Antioxidantien vermutlich synergistisch und beeinflussen die DNA-Reparatur, die Apoptose und den Androgenmetabolismus. In zwei Studien konnten jeweils für die Einzelsubstanzen krebsschützende Effekte nachgewiesen werden.
| Ärzte Zeitung, 06.06.2005 |
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BERLIN (mut). Mit CT und Szintigraphie ist bei manchen Männern mit Verdacht auf Prostata-Ca oder Tumorrezidiv kein Tumor lokalisierbar. Für sie käme eine PET/CT infrage.
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| Ein Patient wird für PET/CT- Aufnahmen vorbereitet. Foto: Siemens |
Doch die Positronen-Emissionstomographie plus Computertomographie (PET/CT) wird von der GKV in der ambulanten Diagnostik bisher nicht erstattet (wir berichteten). Stattdessen bleibt Männern mit Prostata-Ca oft nichts anderes übrig, als zu warten, bis Tumor oder Metastasen so groß sind, daß sie mit herkömmlichen Verfahren erfaßt werden können, sagte der Nuklearmediziner Professor Wolfgang Mohnike aus Berlin zur "Ärzte Zeitung".
Steigt etwa der PSA-Wert nach einer Prostata-Karzinom-Operation wieder an, besteht Verdacht auf ein Rezidiv. "Mit CT kann man einen Tumor in der operierten Region jedoch oft nicht erkennen, weil diese durch Narben verändert ist", sagte Mohnike. Auch ein Lymphknotenbefall lasse sich damit häufig erst sehr spät nachweisen, da Lymphknoten unter einem Durchmesser von 10 mm als unauffällig gelten.
Und mit der Skelett-Szintigraphie könne man Knochen-Metastasen erst ab einer Größe von etwa 12 bis 15 mm nachweisen, mit der PET dagegen bereits ab 3 mm. Bei Metastasen ist jedoch eine andere Therapie nötig als bei einem Lokalrezidiv. Aber auch bei einem Lokalrezidiv muß man genau wissen wo es liegt.
Mohnike: "Wird mit CT und Szintigraphie nichts gefunden, wird bisher einfach blind die Op-Region bestrahlt." Eine genaue Tumor-Ortung mit PET/CT ermöglicht jedoch eine gezielte Bestrahlung - mit weniger Risiken für strahlenempfindliche Regionen wie Rektum und Blase.
Von der PET/CT profitieren auch unbehandelte Männer mit hochmalignen Tumoren (Gleason-Wert über 6) und PSA-Werten über 10 ng/ml. Solche Männer haben ein hohes Risiko für Metastasen - die sich nur mit PET/CT gut nachweisen lassen. Und es gibt Männer, bei denen bioptisch trotz hoher PSA-Werte kein Tumor gefunden wird. Bei ihnen wird bisher gewartet, bis der Tumor mit klassischen Verfahren nachweisbar ist. Eine PET/CT kann dagegen sofort Klarheit schaffen. Insgesamt schätzt Mohnike den Anteil von Prostata-Ca-Patienten, denen die PET/CT nützt, auf etwa 10 bis 15 Prozent.
Die Kosten für das Verfahren liegen bei etwa 1000 bis 1300 Euro. In einer Studie mit 200 Bronchial-Ca-Patienten war die PET/CT langfristig jedoch günstiger als die CT alleine, da Mehrfachuntersuchungen vermieden wurden und gleich die richtige Therapieentscheidung getroffen werden konnte.
STICHWORTProstata-Karzinom und PET/CTIn Deutschland hat schätzungsweise einer von 20 Männern über 40 Jahren ein Prostata-Karzinom. Jedes Jahr wird bei etwa 33 000 Männern ein Prostata-Karzinom neu diagnostiziert, und 11 000 Männer sterben jährlich an der Krebserkrankung. Ein relativ neues Diagnoseverfahren bei Prostata-Ca ist die
Positronen-Emissions-Tomographie (PET) in Verbindung mit der
Computer-Tomographie (CT). Die PET spürt selbst kleinste Tumorherde
auf, die CT verrät, wo diese liegen. |
Ärzte Zeitung, 02.06.2005
Jetzt klagen Urologen
über den Bundesausschuß
Der Einsatz von PET/CT
könnte die Behandlung aggressiver Prostata-Karzinome optimieren, aber
Kassen zahlen nicht
BERLIN (HL). Erneut beklagen sich Nuklearmediziner über die Fortschrittsfeindlichkeit des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) - diesmal zusammen mit den Urologen. Der Vorwurf: Der Bundesausschuß verhindere mit seiner Zögerlichkeit den Einsatz von PET/CT bei der Diagnostik des Prostata-Karzinoms.
Wie Professor Peter Althaus, Chef-Urologe am Berliner Königin
Elisabeth-Krankenhaus, und der Nuklearmediziner Professor Wolfgang
Mohnike, Betreiber eines PET/CT, gestern in Berlin sagten, ist diese
diagnostische Methode für Risiko-Patienten mit einem Prostata-Ca von
Vorteil.
Der G-BA hat offenkundig keine Eile.
Eingesetzt werden soll PET/CT nur bei solchen Männern, die bereits wegen ihres Krebses behandelt worden sind und deren PSA-Wert bei über 10 liegt, deren Tumorvolumen hoch ist und deren Krebs aggressiv ist.
Die Diagnostik mit PET/CT erfolgt nicht additiv zu anderen Methoden, sondern ersetze weniger aussagefähige Methoden wie CT und Skelett-Szintigraphie. Auf der Basis der Untersuchungserkenntnisse, so Althaus, lasse sich dann eine patientenindividuelle, oft erfolgreiche Chemotherapie aufbauen.
Das Problem: Kassenpatienten in Deutschland haben schlechte Chancen, diese Diagnostik zu nutzen. Krankenhäuser können PET/CT als Leistung mit den Kassen abrechnen - wenn sie das Gerät haben und ihr Budget dafür Spielraum läßt. Das ist jedoch meist nicht gegeben.
Denn Krebspatienten werden heute ganz überwiegend ambulant oder kombiniert ambulant und stationär behandelt. Der ökonomisch sinnvollere Ort von PET/CT ist offenbar in der ambulanten Medizin.
Hier steht jedoch jede medizinische Innovation vor dem Erlaubnisvorbehalt des Gemeinsamen Bundesausschusses. Der befaßt sich seit geraumer Zeit mit der Frage, für welche Indikationen er PET zulassen soll, hat sich aber bislang zu keiner positiven Entscheidung durchringen können.
Auch in den nächsten Monaten werde dieses Thema, so eine Sprecherin des Bundesausschusses gestern zur "Ärzte Zeitung", keine Priorität haben.
| Ärzte Zeitung, 31.05.2005 |
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HEIDELBERG (bd). Patienten mit einem Prostata-Karzinom können ab dem Zeitpunkt der Diagnose am Uniklinikum Heidelberg in ein integriertes Versorgungsmodell eintreten. Die Erkrankten werden von Urologen, Radiotherapeuten und Experten aus anderen Fachdisziplinen betreut, und die Therapie wird gemeinsam mit den Patienten entschieden.
Eingebunden in das Behandlungskonzept sind besonders auch niedergelassene Urologen, hat Professor Markus Hohenfellner von der Urologischen Uniklinik in Heidelberg berichtet. Diesem Modell der integrierten Versorgung haben inzwischen zwei große Krankenkassen grünes Licht gegeben - die Namen wollte Hohenfellner jedoch noch nicht nennen. Die Kassen zahlen zunächst für ein Jahr eine gemeinsame Fallpauschale an die niedergelassenen Urologen sowie an die Uni.
Praktisch sieht der Weg eines Patienten so aus: Er stellt sich bei seinem Urologen vor. Der macht die Diagnose nach den von den Experten im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) erarbeiteten Leitlinien. Der Therapieplan wird dann im Prostata-Centrum des NCT von einem interdisziplinären Fachärzteteam festgelegt und mit dem Patienten besprochen.
| Die Nachbetreuung machen die Kollegen in ihrer Praxis. | |
Das Spektrum umfaßt gängige und hochmoderne Therapieverfahren, etwa Schwerionenbestrahlung, sowie minimal-invasive Eingriffe durch ein computergestütztes Operationsverfahren. Wird ein chirurgischer Eingriff empfohlen, kommt der Patient dann erst zum Op-Tag stationär in die Uniklinik. Vor dem Eingriff und zur Nachsorge werde er von den niedergelassenen Kollegen betreut.
Wichtig an diesem integrierten Versorgungsmodell sei, daß der Patient von einem Expertenteam beraten werde. Deshalb wird im Prostata-Centrum des NCT seit geraumer Zeit auch eine interdisziplinäre Sprechstunde für Patienten mit Prostatakrebs angeboten.
Seit Bestehen der Sprechstunde ab Mitte 2004 haben nach Angaben Hohenfellners etwa 800 Patienten von dem Angebot Gebrauch gemacht. In der Sprechstunde gehe es vor allem um die individuellen Bedürfnisse der Patienten. So werde ein sexuell aktiver 55jähriger mit einem lokal begrenzten Tumor meist anderes behandelt als ein älterer Patient, bei dem der Erhalt der Potenz kein primäres Ziel mehr sei.
Das NCT in Heidelberg wurde im letzten Jahr als Kooperationsprojekt vom Universitätsklinikum Heidelberg, dem Deutschen Krebsforschungszentrum, der Thoraxklinik Heidelberg-Rohrbach mit Unterstützung der Deutschen Krebshilfe gegründet. Ziel ist eine zentrale Anlaufstelle für Tumorpatienten.
| Ärzte Zeitung, 31.05.2005 |
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FRANKFURT AM MAIN (KHS). Vitamin D wirkt antiproliferativ und fördert die Apoptose. Ersten Studien zufolge unterstützt es möglicherweise bei Patienten mit Prostata-Ca die Therapie mit Docetaxel.
In Medikamenten-Wirkungsstudien lassen die Werte des prostataspezifischen Antigens (PSA) keine Rückschlüsse auf die Überlebensrate von Patienten mit Prostata-Karzinomen zu. Dies sei eine der wichtigsten Botschaften bei der Krebstagung ASCO in Orlando gewesen, sagte Professor Peter Albers bei einer Veranstaltung in Frankfurt am Main.
Der Direktor der Urologischen Klinik und Poliklinik an den Städtischen Kliniken Kassel spricht sich deshalb für die Fokussierung auf das Zielkriterium Überlebenszeit in Phase-III-Studien aus, wofür allerdings drei- bis viermal so große Stichproben für den Wirksamkeitsnachweis erforderlich seien als bei Verwendung des leicht zu messenden PSA-Wertes.
Albers mahnte auf der von der Sanofi-Aventis-Gruppe organisierten Veranstaltung an, methodenkritischer zu denken und unter der Vielzahl von Wirksamkeitsstudien möglichst nur die zu interpretieren, in denen die Zielkriterien "gut erarbeitet" sind und dargelegt ist, was man tatsächlich daraus folgern kann.
Aufbauend auf der Tatsache, daß sich das Taxan Docetaxel (Taxotere®) 2004 als Standardtherapie beim hormonrefraktären Prostata-Karzinom etablieren konnte und sich im Vergleich mit Estramustin und Mitoxantron als deutlich überlegen erwiesen hat, untersuchte Albers zwei Fragen: Bringt die zusätzliche Verabreichung von Vitamin D3 zur Docetaxel-Therapie einen über die Monotherapie hinausgehenden Nutzen für die Patienten?
Und: Reduziert die intermittierende statt die kontinuierliche Gabe des Wirkstoffes die Rate der unerwünschten Wirkungen? Die Kombination mit Calcitriol liegt nach Albers deshalb nahe, weil sich Vitamin D in mehreren Studien bei verschiedenen Tumoren sowohl als antiproliferativ erwiesen habe, als auch das Absterben von Krebszellen fördere. Speziell Prostata-Krebs komme in südlichen Ländern aufgrund der stärkeren Sonneneinstrahlung und demzufolge Vitamin-D-Bildung seltener vor. Bei gleichzeitiger Anwendung mit Zytostatika wirke Calcitriol zudem chemosensitivierend.
In einer Studie mit 250 Patienten reduzierte die Kombination von Docetaxel und Calcitriol das PSA zwar nur um etwa 50 Prozent und brachte somit keinen wesentlichen Vorteil. Jedoch hatte sich nach Albers mit der Kombitherapie die durchschnittliche Überlebenszeit wegen der zu kleinen Stichprobe zwar nicht signifikant, aber in der Tendenz doch deutlich verlängert. Nach Einschätzung des Urologen darf man davon ausgehen, daß Vitamin D "wahrscheinlich in irgendeiner Form die Therapie mit Docetaxel" unterstützt.
Eine multizentrische, deutsche Phase-II-Studie mit 75 Patienten hat nach den Ausführungen des Urologen mit 18 bis 19 Monaten vorläufig eine Verlängerung der medianen Überlebenszeit unter intermittierender Monotherapie mit Docetaxel gebracht, die mit bislang veröffentlichten Daten aus Phase-III-Studien mit kontinuierlicher Docetaxel-Verabreichung "korrespondiere". Noch in diesem Jahr werde eine Studie mit 400 Patienten in 15 bis 20 Zentren in Deutschland beginnen, um die intermittierende Therapie mit Docetaxel beim Prostata-Karzinom weiter zu prüfen.
Ärzte Zeitung, 30.05.2005
KARLSRUHE (kat). Stahl oder Strahl bei Männern mit Prostata-Karzinom? Für viele Männer im Frühstadium der Erkrankung ist die Strahlentherapie inzwischen eine gleichwertige Alternative zur Operation, belegen Langzeitdaten, die jetzt auf dem Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie in Karlsruhe vorgestellt wurden.
Achtjahres-Daten hätten ergeben, daß die radikale Prostatektomie und die Strahlentherapie für Patienten im frühen Stadium eines Prostatakarzinoms eine ähnlich gute Prognose ergeben. Darauf hat der Strahlentherapeut Professor Thomas Wiegel vom Uniklinikum Ulm hingewiesen.
70 Prozent der Patienten könnten im Frühstadium durch eine alleinige Strahlentherapie erfolgreich behandelt werden. Wurde vor fünf Jahren noch bei 75 bis 85 Prozent der Männer im Krebs-Frühstadium die Prostata entfernt, so geschieht dies heute noch bei etwa zwei Dritteln, sagte Wiegel.
Bei den unerwünschten Wirkungen unterscheiden sich beide Therapieverfahren deutlich. Nach radikaler Prostatektomie bekommen viele Männer Potenzstörungen und Inkontinenz. Unter hochdosierter Strahlentherapie träten dagegen nur bei weniger als drei Prozent der Männer schwere, die Lebensqualität beeinträchtigende unerwünschte Wirkungen an Blase und Enddarm auf, so Wiegel.
| Steigt der PSA-Wert nach der Op wieder, kann die Radiotherapie Rezidive verzögern. | |
Neue Studien, die beim diesjährigen US-Krebskongreß ASCO vorgestellt wurden, belegen, daß Patienten auch in fortgeschrittenen Stadien von einer Strahlentherapie im Anschluß an die Operation profitieren. Die Studienautoren kamen zu dem Ergebnis, daß durch eine Strahlentherapie innerhalb von drei Monaten nach der Prostatektomie die Rate der tumorfreien Patienten nach vier Jahren um 20 Prozent höher war als bei Patienten, die erst nach einem erneuten PSA-Anstieg behandelt werden (80 Prozent versus 60 Prozent). Bei Patienten mit kapselüberschreitendem Prostatakrebs kann also eine postoperative Bestrahlung das Rezidivrisiko deutlich senken. Die Rate der schweren unerwünschten Wirkungen liege unter 1 zu 100, berichtete Wiegel.
Auch Patienten, bei denen nach radikaler Prostatektomie der PSA-Wert wieder steigt, profitieren von einer Strahlentherapie. Hier gilt, daß die Erfolge um so größer sind, je niedriger der PSA-Wert bei Beginn der Strahlentherapie ist. Erfolge sind vor allem zu erzielen, wenn der Wert nach der Op langsam steigt und nicht schnell. Ein schneller Anstieg deutet oft auf Bildung von Metastasen.
Wird bei Männern mit Prostata-Ca auf eine radikale Prostatektomie verzichtet, kann die konventionelle Strahlentherapie auch mit einer kurzfristigen Brachytherapie ergänzt werden. Dabei werden Stäbchen mit Radionukliden in die Prostata implantiert. Mit diesem Verfahren steigt die Rate für krankheitsfreies Überleben nach vier bis fünf Jahren im Schnitt von 75 auf 85 Prozent.
| Ärzte Zeitung, 24.05.2005 |
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| Prostata-Ca, dargestellt mit transrektalem Ultraschall. Foto: Hofmann/von Knobloch |
Von Helmut Schneider und Thomas Müller
Als vor knapp zwei Jahren die Ergebnisse einer großen Studie zur Chemoprävention von Prostatakrebs veröffentlicht wurden, hätten die Studienautoren eigentlich Grund zum Feiern gehabt: Erstmals konnte in einer Untersuchung gezeigt werden, daß eine Substanz die Inzidenz von Prostatakrebs deutlich reduziert.
Doch leider gab es einen Wermutstropfen: Zwar war die Krebsrate bei Männern, die in der PCPT-Studie sieben Jahre lang Finasterid einnahmen, insgesamt erniedrigt, doch die Rate für fortgeschrittene Tumoren war erhöht. Irgendwie lies sich darauf keinen Reim machen.
Das Rätsel um das paradoxe Studien-Ergebnis hat offenbar auch dem Studienleiter schlaflose Nächte bereitet. Akribisch hat der US-Urologe Professor Ian Thompson aus San Antonio die Daten der PCPT-Studie noch einmal analysiert. Mit den Resultaten dieser Analyse hat er bereits für eine Überraschung beim Europäischen Urologenkongreß in Istanbul gesorgt.
Jetzt hat er auch beim US-Urologenkongreß in San Antonio darüber berichtet. Seine Schlußfolgerung: Finasterid senkt die Rate aller Prostata-Tumoren - die erhöhte Rate aggressiver Tumoren in der Studie war nur ein Artefakt.
Thompson nannte dafür mehrere Gründe: Die Prostatae der Männer in der Finasterid-Gruppe waren im Mittel um fast ein Viertel kleiner als in der Placebo-Gruppe. Eine solche Verkleinerung der Prostata ist eines der Therapieziele bei Männern mit BPH. Bei einer kleineren Prostata ist jedoch die Wahrscheinlichkeit, daß bei einer Biopsie der Tumor getroffen wird, höher als bei einer großen Prostata, sagte Thompson auf einer Veranstaltung des Unternehmens MSD in Istanbul.
Mehr noch: Eine kleinere Prostata bedingt auch, daß die Tumoren eher als aggressiv eingestuft werden. Dies liegt an der Beurteilung des Tumors mit dem Gleason-Wert. Der Wert setzt sich zusammen aus einem Punktwert für den Tumorzelltyp, der am häufigsten in der Probe gefunden wird, plus einem Punktwert für den nächst häufigen Zelltyp.
Für noch gut differenzierte Zellen gibt es einen Punkt, für undifferenzierte, also hoch maligne Zellen, fünf Punkte. Besteht ein Tumor hauptsächlich aus schwach malignen Zellen (drei Punkte) und einem kleinen Teil stark maligner Zellen (fünf Punkte), so ist die Chance bei Biopsie einer großen Prostata auch größer, nur schwach maligne Zellen zu finden (der Gleason-Wert wärte dann 3+3, also 6).
Hingegen ist bei einer kleineren Prostata die Chance größer, bei einer Biopsie auch einige der hoch-malignen Zellen zu erwischen - der Gleason-Wert wäre dann 3+5, also 8. Der Unterschied führt zu einer anderen Einteilung: Ab einem Wert von 7 Punkten gilt der Tumor als aggressiv, nicht so bei einem Wert von 6. Konkret heißt das: Mit Finasterid liefert die Biopsie ein genaueres Ergebnis, ohne Finasterid werden aggressive Tumoren eher über sehen.
Bestätigt wird diese Annahme durch histologische Untersuchungen bei 464 Teilnehmern der PCPT-Studie, bei denen im Anschluß an eine Biopsie eine Prostatektomie gemacht worden ist. Dabei wurde der Tumor in der entfernten Drüse genauestens untersucht und die Einteilung des Tumors mit der aus der Biopsie verglichen.
Das Ergebnis: In der Placebogruppe war der tatsächliche Gleason-Wert - und damit die Aggressivität des Tumors - oft weitaus höher als in der Biopsie ermittelt. So lag die Sensitivität der Biopsie, einen höhergradigen Tumor nachzuweisen, mit Finasterid bei 70 Prozent, mit Placebo nur bei 50 Prozent. Wurden nun Prostatavolumen und Zahl der Stanzbiopsien pro Fläche bei der Analyse der PCPT-Daten berücksichtigt, ergab sich mit Finasterid kein erhöhtes Risiko mehr für höhergradige Tumoren.
Zudem war die Rate hochgradiger Tumoren mit Finasterid nur bei den Männer erhöht, die aufgrund von Auffälligkeiten während der Therapie eine Biopsie erhielten, etwa weil der PSA-Wert stark anstieg, nicht aber bei den Männern am Ende der Studie. Hätte Finasterid höhergradige Tumoren induziert, dann wäre deren Rate im Laufe der Therapie mit Finasterid stetig angestiegen. Dies sei jedoch nicht der Fall gewesen, sagte Thompson.
Ein weiterer Punkt: Der PSA-Test als Indikator für eine Prostata-Ca funktioniert mit Finasterid besser, so Thompson. Der Grund: Bei einer gesunden Prostata halbiert eine Finasterid-Therapie den PSA-Wert. Entsprechend galt in der PCPT-Studie ein PSA-Grenzwert von 4 ng/ml für Männer in der Placebogruppe und für 2 ng/ml in der Finasterid-Gruppe. Ein Wert darüber war Grund für eine Biopsie während der Studie.
Finasterid senkt jedoch nicht die PSA-Produktion von malignem Gewebe. Steigt der PSA-Wert aufgrund eines malignen Tumors, so gilt die Regel nicht mehr, daß Finasterid den Wert halbiert. Der Grenzwert von 2 ng/ml wird dann eher überschritten als der von 4 ng/ml in der Placebogruppe. In der Finasterid-Gruppe kam es daher früher zu Biopsien aufgrund eines fortgeschrittenen Karzinoms.
Der Urologe zieht deshalb diesen Schluß: Es gibt keine Hinweise dafür, daß Finasterid höhergradige Tumoren induzieren kann. Durch eine Therapie von hundert Patienten mit dem 5-alpha-Reduktase-Hemmer könnten hingegen vier Prostatakrebs-Erkrankungen verhindert werden.
STICHWORTPCPT-StudieAn der PCPT-Studie (Prostate Cancer Prevention Trial) nahmen knapp 19 000 gesunde Männer im Alter ab 55 Jahren teil. Die Männer hatten weder erhöhte PSA-Werte noch Auffälligkeiten bei der digital-rektalen Untersuchung. Sie erhielten sieben Jahre lang täglich entweder Placebo oder 5 mg des 5-Alpha-Reduktase-Hemmer Finasterid (Proscar®). Die Männer wurden jährlich per Palpation und PSA-Test untersucht. Bei Auffälligkeiten und erhöhten PSA-Werten wurde eine Biopsie vorgenommen, bei den übrigen Teilnehmern wurde zum Studienende ein Biopsie gemacht, unabhängig von PSA-Wert und Tastbefund. Im Verlauf der Therapie entdeckten die Ärzte bei 18 Prozent der Männer mit Finasterid ein Prostata-Ca, mit Placebo waren es 24 Prozent. Erhöhte war mit Finasterid allerdings die Rate fortgeschrittener Tumoren mit einem Gleason-Wert zwischen sieben und zehn (6,4 Prozent versus 5,1 Prozent mit Placebo). Die Studie wurde vom National Cancer Institute der USA finanziert und im Juli 2003 publiziert (NEJM 562, 2003, 833). |
| Ärzte Zeitung, 24.05.2005 |
SAN ANTONIO (grue). 5-Alpha-Reduktase-Hemmer können womöglich die Entstehung von Prostatakrebs verhindern. Auf dem Prüfstand steht auch das Medikament Dutasterid, das über eine duale Enzymhemmung das Dihydrotestosteron in der Prostata senkt.
Der 5-Alpha-Reduktase-Hemmer Dutasterid (Avodart®) hemmt im Gegensatz zur verwandten Substanz Finasterid beide Isoenzyme der 5-Alpha-Reduktase und scheint sich deshalb für krebspräventive Strategien besonders zu eignen. Darauf hat Professor Claus G. Roehrborn aus Dallas beim Urologen-Kongreß in San Antonio in Texas hingewiesen.
Dutasterid ist zur Therapie bei benigner Prostatahyperplasie (BPH) zugelassen und drosselt die Dihydrotestosteron-Konzentration um 90 Prozent. Dadurch wird die Prostata kleiner und das Risiko für Prostatakrebs sinkt, wie sich an den Ergebnissen von BPH-Studien ablesen läßt. In diesen Studien ging es jedoch nicht primär um die Karzinom-Inzidenz.
Erst die Placebo-kontrollierte Endpunktstudie REDUCE (Prostate cancer events reduce trial) wird Klarheit bringen, sagte Roehrborn auf einer Veranstaltung des Unternehmens GlaxoSmithKline. In die vor kurzem angelaufene Studie wurden 8000 Männer aufgenommen, die ein erhöhtes Krebsrisiko haben (PSA-Wert ab 2,5 ng/ml bei jüngeren, ab 3 ng/ml bei älteren Männern).
Sie erhalten vier Jahre täglich 0,5 mg Dutasterid oder Placebo. Die PSA-Werte werden halbjährlich bestimmt. Mindestens alle zwei Jahre werden Prostata-Biopsien entnommen.
"Wir werden sehen, ob Dutasterid die Bildung von Prostatakarzinomen verhindert oder der Übergang von einer okkulten Erkrankung zu einem Biopsie-gesicherten Tumor aufhalten kann", sagte Roehrborn. Zur Diagnosesicherung werden außer dem Gleason-Score zusätzliche Grading-Parameter und Biomarker verwendet.
"5-alpha-Reduktase-Hemmer sind eine vielversprechende Option für die Chemoprävention von Prostatakrebs", so Roehrborn. Besonders Dutasterid sei ein hoffnungsvoller Kandidat, weil die Substanz Typ 1 und Typ 2 der Reduktase hemme. Da beide Isoenzyme an der Tumorentstehung beteiligt seien, mache die duale Blockade Sinn.
Ärzte Zeitung,
09.05.2005
Kostenlose Zeitung zu
Prostata-Krebs
NEU-ISENBURG (eb). Für Patienten mit Prostata-Krebs gibt es jetzt eine eigene Zeitung mit dem Namen "Knochenstark bei Krebs".
Die kostenlose Zeitung von der gleichnamigen Initiative enthält Aktuelles zu Diagnose und Therapie beim Prostata-Ca. Zudem gibt es Tips zu begleitenden Therapiemaßnahmen. In der ersten Ausgabe der Zeitung, ein von dem Unternehmen Novartis Pharma unterstütztes Projekt, geht es vor allem um Knochenmetastasen und die Therapie mit Bisphosphonaten.
Bestellung: Initiative "Knochenstark bei Krebs", Stichwort Patientenzeitung, Postfach 60147 Frankfurt am Main oder über http://www.knochenstark.de/
Ärzte Zeitung, 01.04.2005
Niedriges PSA ist kein
Grund zur Beruhigung
ISTANBUL (ner). Ein Prostatakarzinom mit niedrigem PSA-Wert ist kein harmloser Tumor. Mehr als ein Drittel der Prostatakarzinome mit einem PSA von unter 8 ng/ml hätten die Organgrenze bereits durchbrochen, hieß es beim Europäischen Urologenkongreß in Istanbul.
In der Diskussion um den Stellenwert von PSA-Tests zum Prostatakarzinom-Screening und der Kontroverse darüber, welche Konsequenzen ein erhöhter PSA-Wert haben sollte, stellt sich auch die Frage, ob bei erkrankten Männern mit relativ niedrigem PSA nicht eine abwartende Behandlungsstrategie (watchful waiting) empfehlenswert sein könnte. Die Antwort von Dr. Pia Bader vom Städtischen Klinikum Karlsruhe und ihren Kollegen lautet eindeutig: Nein!
Bader stellte die retrospektive Analyse der Daten aller Prostatakrebs-Patienten an der Urologischen Klinik zwischen 1989 und 2002, insgesamt mehr als 1700 Patienten, vor. Die Analyse habe ergeben, daß selbst bei einem PSA zwischen 2 und 4 ng/ml 38 Prozent der Patienten mindestens im Stadium T3 (Tumor durchbricht die Prostatakapsel) waren, so Bader.
Insgesamt unterscheide sich die Verteilung des Tumor-Gradings in den Gruppen mit relativ niedrigem PSA-Wert (unter 8 ng/ml) nicht von den Gruppen mit hohem PSA-Wert. Bei sechs Prozent der Patienten mit niedrigem PSA-Wert waren sogar bereits Lymphknoten befallen.
Ärzte Zeitung, 29.03.2005
Neue Hinweise auf
Nutzen des PSA-Screenings
Viele Prostata-Karzinome
werden im Frühstadium entdeckt / Niedrige Sterberate bei kostenlosem
Screening
ISTANBUL (ner). In der Diskussion über den Stellenwert des PSA-Screenings stützen Studien, die beim Europäischen Urologen-Kongreß in Istanbul vorgestellt worden sind, die Argumente der Befürworter solcher Tests. So deuten jetzt auch neue Daten finnischer und österreichischer Ärzte darauf hin, daß ein PSA-Screening Prostatakrebs schon in sehr frühen Stadien aufspürt und so die Heilungschancen erhöht.
In Finnland seien bei einer europäischen Screening-Studie 80 000 Männer zwischen 55 und 67 Jahren auf erhöhte PSA-Werte getestet worden, so Dr. Teuvo L. Tammela von der Uniklinik in Tampere. Ab einem PSA von 3,0 ng/ml sowie einem freien PSA von weniger als 16 Prozent wurden Prostata-Biopsien gemacht. Das war bei 14 Prozent der Studienteilnehmer der Fall. Bei knapp drei Prozent der Patienten mit Biopsien wurde ein Prostata-Ca diagnostiziert, was früheren Detektionsraten entspricht.
Die meisten Karzinome entdeckten die finnischen Urologen im Frühstadium, nämlich 74 Prozent mit einem Gleason-Wert unter 6. Nur fünf Prozent der Karzinome mußten einem Gleason-Wert über 8 (fortgeschrittenes Karzinom) zugeordnet werden. Bei dem Score werden die Wachstumsmuster des Karzinoms bewertet: Die Werte können zwischen 2 bei leichter Anaplasie und 10 bei starker Anaplasie liegen. "Das bedeutet, daß das Screening die Wahrscheinlichkeit für eine kurative Behandlung bei Prostatakrebs erhöht", so die finnischen Urologen.
Österreichische Kollegen aus Tirol können das bestätigen. In Tirol ist das PSA-Screening seit 1993 kostenlos. Mindestens 85 Prozent aller Tiroler Männer zwischen 45 und 75 Jahren hätten sich in den vergangenen zehn Jahren am Screening beteiligt, berichteten Professor Georg Bartsch und seine Kollegen aus Innsbruck. Die Mortalitätsrate liege in Tirol seit 1999 um 20 Prozent niedriger als im übrigen Österreich. Allerdings kommen diese Daten nicht aus einer randomisierten Studie.
Als kritische Grenze für weitere Studien werten die Urologen bei Männern im Alter zwischen 40 und 49 Jahren PSA-Werte von 1,25 ng/ml, zwischen 50 und 59 Jahren von 1,75 ng/ml; zwischen 60 und 69 Jahren liegt die Grenze bei 2,25 ng/ml und bis 79 Jahre bei 3,25 ng/ml.
Problem beim PSA-Screening ist, daß PSA kein tumorspezifischer Marker ist. Um besser zwischen benigner Prostatahyperplasie und Prostata-Ca unterscheiden zu können, haben Urologen aus Mannheim und Heidelberg einen zusätzlichen Marker vorgeschlagen: IGF-2 (Insulin-like Growth Factor-2), das bei Krebskranken übermäßig synthetisiert wird.
Ärzte Zeitung, 22.03.2005
Bei PSA
unter 1 ng/ml reichen Kontrollen alle drei Jahre
Studie ergab kein erhöhtes Ca-Risiko bei niedrigem
PSA
ISTANBUL (ner). Wie oft sollten Männer über 50 ihren PSA-Wert zur Prostatakarzinom-Prophylaxe kontrollieren lassen? Schwedische Urologen sagen: alle drei Jahre, wenn der Ausgangswert unter 1 ng/ml liegt, sonst öfter.
Das schließen Dr. Gunnar Aus vom Sahlgrens Universitätshospital in Göteborg und seine Kollegen aus einer randomisierten Screening-Studie bei mehr als 5800 Männern im Alter zwischen 50 und 66 Jahren. Bei ihnen waren alle zwei Jahre der PSA-Test und bei Werten über 3 ng/ml eine Biopsie vorgenommen worden.
Die Nachbeobachtung erfolgte über knapp acht Jahre. Knapp jeder zehnte der gescreenten Männer (539) hatte in dieser Zeit ein Prostatakarzinom bekommen. Mit steigendem Ausgangs-PSA-Wert stieg auch die Karzinom-Rate, berichtete Aus beim Europäischen Urologenkongreß in Istanbul.
Daß 77 Prozent der Männer mit einem PSA von mehr als 10 ng/ml erkrankten, überraschte wenig. Aber auch in der Gruppe mit Werten zwischen 3,0 und 3,99 ng/ml war es jeder dritte Mann; zwischen 1,5 und 1,99 ng/ml waren es noch immerhin knapp 13 Prozent der Studienteilnehmer. Von den 2950 Männern mit Werten unter 1 ng/ml bekam keiner innerhalb von drei Jahren ein Karzinom.
Aus diesem Grund empfehlen Aus und seine Kollegen Screening-Intervalle von drei Jahren bei PSA-Werten unter 1 ng/ml. Bei noch normalen Werten, die jedoch über 2 ng/ml liegen, sollte öfter kontrolliert werden.
PSA-Tests
helfen, Prostata-Ca-Mortalität zu senken
Daten von
US-Krebsregistern / Mortalität sank seit Mitte der 90er Jahre um jährlich
vier bis fünf Prozent
BERLIN (gvg). Epidemiologische Daten aus US-Krebsregistern zeigen, wie sich seit der Einführung des PSA-Tests die Mortalität von Patienten mit Prostata-Ca verändert. Im Mittel verringert sie sich jährlich um vier bis fünf Prozent.
"Das Robert-Koch-Institut schätzt, daß das Prostatakarzinom in Deutschland mittlerweile vor Kolon- und Bronchial-Ca der häufigste Tumor bei Männern ist", sagte Professor Peter Albers von der Klinik für Urologie des Klinikums Kassel auf einer Veranstaltung von Sanofi-Aventis in Berlin.
Zwar gebe es zur Inzidenz wegen eines fehlenden bundesweiten Krebsregisters keine präzisen Daten. Es sei aber davon auszugehen, daß die Inzidenz in etwa der in den USA entspreche, wo sie bei 150 Neuerkrankungen pro 100 000 Männer pro Jahr liegt.
Interessante Infos liefert das US-Krebsregister zum PSA-Test. 40 Jahre lang habe die Sterblichkeit beim Prostata-Ca konstant bei etwa zehn bis zwölf Prozent gelegen, so Albers bei der Veranstaltung von Sanofi-Aventis. Seit Mitte der 90er Jahre falle sie dagegen jährlich langsam um vier bis fünf Prozent ab.
"Heute sind 70 Prozent der neu entdeckten Prostatakarzinome auf das Organ begrenzt und damit durch Strahlentherapie oder Op kontrollierbar", so Albers. Die Überlebenswahrscheinlichkeit dieser Patienten liege praktisch bei 100 Prozent. Etwa 20 Prozent aller Patienten haben bei der Diagnose bereits regionale Lymphknotenmetastasen oder ein infiltrierendes Wachstum des Tumors. Etwa zehn Prozent der Patienten haben Fernmetastasen.
Vor allem diese Patienten sind es, die an den Folgen des Prostata-Ca sterben. Erst durch die Taxan-Therapie gibt es für sie eine Option. Mit Docetaxel (Taxotere®) ist seit Oktober 2004 ein Präparat zugelassen, das in einer Phase-III-Studie mit über 1000 Patienten die mediane Überlebenszeit statistisch signifikant von 16,4 auf 18,9 Monate erhöhte.
Veröffentlicht im Prostatakrebs-Diskussionsforum des BPS am 20.2.05:
Von Dr. M. Scholz, Onkologe und Prostatakrebsspezialist,
Marina del
Rey, Kalifornien
Übersetzt von Dr. F.
Eichhorn
Urologe
Naturheilverfahren
www.psa-zu-hoch.de
Taxotere ist das wirksamste Medikament gegen Prostatakrebs. Es ist auch das wirksamste Medikament in der Behandlung von Brustkrebs und Lungenkrebs.
Zwei große randomisierte Studien, die im Jahr 2004 fertiggestellt wurden, zeigen ein längeres Überleben bei Männern mit Prostatakrebs, wenn sie mit Taxotere im Vergleich zu Mitoxantrone behandelt wurden, einem Medikament, das von der FDA (Food and Druck Administration) bereits zugelassen ist.
Die FDA hat Taxotere umgehend zur Behandlung des Prostata-Karzinoms
zugelassen, nachdem die erwähnten Studien veröffentlich waren. Wir selbst
benutzen Taxotere „off label“ mit guten Ergebnissen in der Behandlung des
Prostata-Karzinoms seit 1998 (An-
Merkung des Übersetzers: Wir
verwenden Taxotere in unserer Praxis seit dem Jahr 2000).
Taxotere spielt bei Männern mit Prostatakrebs in zweierlei Hinsicht
eine wichtige Rolle.
In 1. Linie werden damit Männer mit einem
fortgeschrittenen metastasierenden Prostata-Karzinom behandelt. In dieser
Situation kann Taxotere alleine oder kombiniert mit anderen Medikamenten
verwendet werden um seinen Antikrebseffekt zu verbessern. Es muss in jeder
individuellen Situation festgelegt werden ob Taxotere allein oder in
Kombination mit anderen Medikamenten verwendet werden soll.
In 2. Linie findet Taxotere auch Verwendung als ein Medikament in der
Behandlung des Prostatakrebsfrühstadiums, wenn das Krebsprofil ein hohes
Risiko für ein Rezidiv oder ein hohes Risiko für die Entstehung einer
Hormonresistenz vermuten lässt. Die Hormonblockade ist normalerweise die
1. Verteidigungslinie gegen eine Hochrisikoerkrankung. Es gibt aber
Situationen, in denen die Hormonblockade allein eindeutig nicht ausreicht.
Man nennt
den Einsatz von Taxotere zusätzlich zur Hormonblockade
„adjuvante Chemotherapie“.
Die adjuvante Taxotere-Therapie wird bei Männern mit Lungenkrebs als Standart angesehen, wie auch bei Frauen mit Brustkrebs. Tatsache ist, dass das Vorenthalten einer adjuvanten Taxotere-Therapie bei jungen Frauen mit einem Brustkrebs im Frühstadium als Kunstfehler angesehen wird. Dies ist das Ergebnis von zahllosen Studien die belegen, dass Rezidivraten reduziert und das langfristige Überleben von Frauen die Taxotere bekommen, im Vergleich zu Frauen die kein Taxotere bekommen verbessert werden kann.
Wissenschaftliche Studien die den „benefit“ einer adjuvanten Taxotere-Therapie bei Männern mit Prostatakrebs in einer Hochrisikokonstellation belegen sollen werden zurzeit durchgeführt. Wir erwarten, dass diese Studien beweisen, dass Taxotere die Fähigkeit hat, die Rezidivraten zu reduzieren und das Überleben bei Männern mit Prostatakrebs zu verlängern, wie bei Frauen mit Brustkrebs. Da diese Studien noch einige Zeit zur Fertigstellung benötigen werden wir endgültige Ergebnisse erst in einigen Jahren vorliegen haben.
In der Zwischenzeit, während wir auf die Ergebnisse dieser Studien warten, sind Männer mit einem Hochrisiko-Karzinom vor die Wahl gestellt zu entscheiden ob sie eine adjuvante Taxotere-Therapie durchführen sollen oder nicht, obwohl die vorliegenden wissenschaftlichen Daten unvollständig sind. Wir möchten unseren Gedankengang darlegen der uns dazu bewegt, dass eine adjuvante Chemotherapie mit Taxotere bei Männern mit einer Hochrisikoerkrankung eine gute Idee sein könnte.
1. Eine Chemotherapie einschl. Taxotere die gegen weiter
fortgeschrittenen Krebs wirksam ist wirkt in früheren Stadien des gleichen
Typs sogar noch besser. Beispiele für dieses bereits praktizierte Prinzip
finden Sie bei Brustkrebs, Lungenkrebs, Lymphomen, Hirn-, Rachen-, Cervix-
und Blasenkarzinomen sowie beim Darmkrebs (noch nicht bei
Prostata-Ca).
2. Die Effektivität von Taxotere beim fortgeschrittenen
Prostatakrebs ist bewiesen. Es scheint deshalb wahrscheinlich, wie bereits
bei vielen anderen Karzinomen nachgwiesen, dass Taxotere in einem früheren
Stadium der Erkrankung noch effektiver sein wird.
Wie wir bereits oben erwähnten, ist diese Logik den akademischen Zentren unseres Landes nicht verloren gegangen. Wissenschaftliche Untersuchungen wurden begonnen, aber die Ergebnisse stehen noch aus. Bis die Ergebnisse dieser Studien vorliegen, ist die adjuvante Therapie mit Taxotere für Männer mit einer Hochrisikoerkrankung eine logische Erwägung wird aber noch nicht als Standarttherapie betrachtet.
Taxotere wird intravenös gegeben. Er gibt zwei populäre Behandlungsprotokolle mit höherer Dosis alle 3 Wochen oder eine niedrigere Dosis wöchentlich. Bei den weiter fortgeschrittenen Fällen ist es möglich, dass das Zweiwochenprotokoll effektiver ist. Aber die höheren Dosen verursachen eine höhere Rate von niedrigen weißen Blutkörperchen und häufiger ein Fatigue-Syndrom (Müdigkeit). Andererseits sind wöchentliche Infusionen unbequemer, weil sie eine größere Zahl von Arztbesuchen erfordern.
Andere Nebenwirkungen von Taxotere können bei den verschiedenen
Behandlungsprotokollen variieren. Ein reversibler Haarausfall scheint bei
dem 3-Wochen-Protokoll schwerwiegender zu sein. Übelkeit kommt weder bei
dem einen noch bei dem anderen Protokoll häufig vor, auch weil es höchst
effektive Medikamente dagegen gibt.
Taxotere kann die Geschmacksnerven
beeinträchtigen. Dadurch können gewohnte Nahrungsmittel merkwürdig
schmecken. Dieses Risiko scheint für beide Protokolle gleich hoch zu sein.
Es scheint deshalb ratsam, die Zunge während der Behandlung bis eine
Stunde nach der Behandlung mit Eis zu kühlen.
Fingernägel können brüchig werden. Diese Nebenwirkung scheint bei dem einwöchentlichen Protokoll häufiger aufzutreten. Deshalb empfehlen wir die Fingerspitzen während der Infusion mit Taxotere bis kurz danach zu kühlen. Irritationen des Tränengangs sind eine andere Nebenwirkung die häufiger bei der wöchentlichen Taxotere-Gabe auftritt. Dieser Effekt wird normalerweise bemerkt, wenn die Männer vermehrt Tränenflüssigkeit produzieren, weil die Tränengänge nicht ausreichend drainieren. Um dieses Problem zu verhindern empfehlen wir die Anwendung einer künstlichen Tränenflüssigkeit während und nach jeder Behandlung. Taxotere kann so von der Augenoberfläche weggespült werden. Wenn jedoch eine unzureichende Drainage fortbesteht kann es notwendig werden vorübergehend eine Schiene in den Tränengang einzulegen, um eine langandauernde Narbenbildung zu vermeiden.
Eine andere Nebenwirkung die sich im Laufe der Zeit entwickeln kann nennt man Neuropathie. Dabei handelt es sich um ein Taubheitsgefühl in den Fingern und Zehen. Generell sind diese Symptome wenig ausgeprägt und bilden sich mit der Zeit wieder zurück wenn Taxotere abgesetzt wird. Hohe Dosen von Glutamin, einer Aminosäure, können die Beschwerden lindern. Andere eher seltene Nebenwirkungen können bei beiden Behandlungsprotokollen auftreten z.B. Gesichtsrötung, Leberentzündung oder Durchfall. Diese Probleme verschwinden durch entsprechende Anpassung des Behandlungsplanes.
Insgesamt wird Taxotere gut vertragen. Wir haben im Jahr 2001 eine Pilotstudie veröffentlicht, die auswertete wie Taxotere von älteren Männern vertragen wurde. Das durchschnittliche Alter dieser Gruppe war 78. Der älteste Mann war 87. Mit dem wöchentlichen Protokoll, so haben wir herausgefunden, wird Taxotere fast von jedem vertragen. In dieser Studie haben 17 von 20 Männern den gesamten Behandlungszyklus vollendet. Drei Männer entschieden sich die Behandlung abzubrechen bevor der Zyklus beendet war, weil sie sich sehr müde fühlten. Eine Kopie dieser Studie kann auf Anfrage von unserer Praxis bezogen werden.
Zusammenfassend ist bewiesen dass Taxotere das Überleben der Männer mit Prostatakrebs verlängert. Eine weitere wirksame Waffe im Kampf gegen diese Erkrankung zu haben wird von allen die mit Krebs zu tun haben begrüßt. Weil dieses Medikament immer noch relativ neu ist, werden Fragen offen bleiben müssen welche Rolle es in einem Frühstadium bei Hochrisikopatienten spielt. Bis mehr Informationen zur Verfügung stehen wird der optimale Weg zur Nutzung von Taxotere nur im Rahmen einer partnerschaftlichen Besprechung zwischen Doktor und Patient entschieden werden können.
Last update 11-Apr-2009